Schluss mit der Ausbeutung im Care-Sektor!
05.2026
Care-Streik
1. Mai
Pflege
Rede am 1.Mai von einigen Mitgliedern der IGA, die im Care-Sektor arbeiten
Hallo zusammen! Wir stehen hier vor dem Unispital, dem grössten Spital der Region mit über 8000 Mitarbeitenden. Hier ist der richtige Ort um über die schlechten Bedingungen in der Pflege und im Gesundheitswesen allgemein zu sprechen. Und heute ist auch der richtig Tag dafür, denn heute ist der 1. Mai – der internationale Kampftag der Arbeiter:innen.
Wir alle, die im Gesundheitswesen arbeiten – im Unispital oder anderswo – wissen ganz genau, dass es vieles zu erkämpfen gibt! Denn die Arbeitsbedingungen sind oft richtig beschissen! Wir pflegen die Menschen nicht selten unter enormem Stress, wir putzen, wir rennen von Zimmer zu Zimmer, wir trocknen Tränen, wir hören zu, wir halten Hände. Wir tragen viel Verantwortung für das Leben und für die Würde der Patient:innen.
Diese Arbeit ist Care-Arbeit und Care-Arbeit ist keine Nebensache, es geht dabei um die Gesundheit der Menschen, um uns alle!
Aber wir sehen, wie die Gesundheit der Menschen geopfert wird für mehr Profite. Krankenhäuser werden mittlerweile geführt wie Unternehmen und verwaltet wie Aktiendepots. Oben in den Büros werden Zahlen optimiert, Kosten gedrückt, Effizienz gesteigert, während wir als Pflegekräfte, Hebammen, Reinigungskräfte oder Ärzt:innen unten am Bett versuchen, irgendwie die Würde der Leute zu bewahren.
Überall soll an Zeit und Geld gespart werden, denn wenn nur noch der Profit zählt, bleibt die Menschlichkeit als Erstes auf der Strecke. Das ist kein Zufall, das ist kein „Fehler“ im System. Sondern das ist wie Gesundheit im Kapitalismus funktioniert.
Ein Wirtschaftssystem, dass nur auf Profit aus ist, kann Fürsorge nicht in den Mittelpunkt stellen, es wird immer versuchen, auf dem Rücken der Arbeiter:innen Zeit und Personal einzusparen.
Und wer trägt diese Last? Es sind überwiegend Frauen. Care-Arbeit wie Pflege, Kindererziehung usw. gelten nach wie vor als „klassisch weibliche Tätigkeiten“. Es wird das Bild gezeichnet, Fürsorge und Aufopferung seien «Akt der Liebe, und natürliche Aufgabe der Frau». Damit wird unsere Arbeit abgewertet und unsere Ausbeutung legitimiert. Wir sollen durcharbeiten ohne Pause, ständig einspringen oder Überstunden machen ohne Ende. Anstatt uns zu wehren haben wir die Bedingungen einfach zu schlucken um die Maschinerie so gut es geht am Laufen zu halten.
Aber es reicht uns! Wir sind keine Roboter in irgendeiner Gewinnmaschine. Wir sind Menschen, die Menschen pflegen! Unser Frust und unsere Wut sind absolut berechtigt. Und unsere Müdigkeit ist kein persönliches Versagen, sondern das Ergebnis eines Systems, das uns ausbeutet!
Was wir brauchen ist mehr Personal, kürzere Arbeitszeiten, mehr Ferien und unbedingt einen besseren Lohn! Das sind wichtige Verbesserungen, die wir gemeinsam erkämpfen müssen. Gleichzeitig sind es erste Schritte eines Weges, bei dem es um weit mehr geht. Vor wenigen Tagen hat der Nationalrat die Pflegeinitiative beraten und diese praktisch komplett abgeschmettert. Das ist fatal und es zeigt, dass wir nicht auf die Massnahme des Staates vertrauen können. Wir wollen ein Gesundheitssystem, in dem die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen. Um das zu erreichen muss der Kapitalismus überwunden werden. Das ist keine kleine Aufgabe, aber sie ist möglich!
Dafür müssen wir uns organisieren so wie viele unserer Kolleginnen auf der ganzen Welt! In den letzten Jahren hat es immer wieder große Proteste im Gesundheitsbereich gegeben. 2023 sind zum Beispiel rund eine halbe Millionen Beschäftigte in Großbritannien auf die Strasse gegangen, um für mehr Lohn zu protestieren. In Deutschland gab es Streikbewegungen für die Entlastung des Pflegepersonals an Kliniken. Fangen wir auch hier an uns zu organisieren, miteinander zu reden uns auszutauschen und unseren Frust nicht länger alleine zu tragen!
Wir sind von der IGA, einer Basisgewerkschaft in der wir als Arbeiter: innen gemeinsam für unsere Rechte und für eine gerechte Welt einstehen! Die kommende Zeit wird geprägt sein von Sparmassnahmen des Staates, die auch das Gesundheitswesen treffen werden. Sie wird aber auch geprägt sein von unserem Widerstand dagegen. In einem Jahr, im Sommer 2027 ruft die IGA sowie viele weitere Gewerkschaften und Organisationen zu einem Care-Streik am 14.Juni auf. Kommt zu unseren Mitgliedertreffen, um mehr davon zu erfahren und werdet aktiver Teil der IGA!